Ich war tot!
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Der Übeltäter am Kreuz
14. April 2019

Vater, vergib ihnen….

Vater, vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Und als sie an den Ort kamen, den man Schädelstätte nennt, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. (Lukas 23,33 Schlachter 2000)

Ausgepeitscht, gedemütigt, bespuckt. Der Rücken ist zerfetzt von der Geißel. Er ist vollständig erschöpft von den Strapazen. Nachts hat er nicht geschlafen, sondern die ganze Nacht hindurch gebetet. Dann ist er verraten worden von einem der Leute, die jahrelang mit ihm gelaufen sind. Er wurde verhaftet und es gab dabei sogar eine kleine Rangelei und Blut ist geflossen. Dann wurde er vor den Hohen Rat geschleift. Dann zu Pilatus, dann zu Herodes. Wieder zu Pilatus. Überall dumme Fragen, dumme Anklagen, das Böse zeigt sich in seiner bösesten Form.

Er ist völlig unschuldig und er weiß es. Er hat nie gesündigt und wird für Dinge angeklagt, die er nie getan hat. Er wird angeklagt, weil er die Wahrheit gesagt hat, dass er der Sohn Gottes ist. Er, der nie gelästert hat, wird der Gotteslästerung bezichtigt. Er ist der einzige Mensch, der nie auf der Anklagebank hätte sitzen dürfen. Er lässt das alles über sich ergehen.

Die ganze Zeit über wird er beschimpft, bespuckt, geschlagen. Nun ist es 09:00 Uhr vormittags und man hat ihn auf ein Kreuz gelegt und dann Nägel durch seine Handgelenke getrieben. Jeder Schlag eine einzige Qual. Mit jedem Hammerschlag pulsiert eine neue Welle der Schmerzen durch seinen Körper. Dann kommt der Nagel für die Füße. Auch das sind unbeschreibliche Schmerzen. Dann wird das Kreuz aufgerichtet und mit einem gewaltigen Schlag fällt es die letzten Zentimeter in das vorbereitete Loch im Boden. Wieder ein massiver Schlag und seine Wunden schmerzen unendlich. Er ist kaputt, müde, zerschlagen, am Ende. Was würden wir an dieser Stelle denken?

VATER

Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! (Lukas 23,34 Schlachter 2000)

Vater, ruft er aus. Er klagt Gott nicht an, er beklagt sich nicht bei ihm. Er ruft ihm zu „Vater“- er sieht Gott immer noch als seinen Vater an. Später wird er rufen „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Markus 15,34). Dann kommt ab dem Mittag eine Finsternis für drei Stunden über die Welt, wo dem einzigen Unschuldigen die ganze Schuld einer schuldigen Welt aufgeladen wird. Aber jetzt – um 09:00 Uhr vormittags – da ruft er noch Vater.

Das hat noch einen anderen besonderen Aspekt: Er wurde ja verurteilt, weil er sich als Sohn Gottes bezeichnete. Hier nun, an diesem Kreuz und mit diesen Schmerzen stellt er mit einem Wort klar: Ich bin es – Ich bin der Sohn Gottes und ich spreche Gott als meinen Vater an.

Jesus, der Beter

Ein zweiter wichtiger Punkt fällt hier noch auf: Jesus Christus diskutiert nicht. Er klagt nicht. Er jammert nicht. Er bettelt nicht. Er ruft die Menschen nicht um Hilfe. Sondern er betet. In der Stunde der größten Not gibt es für ihn nur einen Gesprächspartner und obwohl er die ganze Nacht bis zu seiner Verhaftung hindurch gebetet hatte, hatte er anscheinend „nichts Besseres zu tun“. Ich meine das auch wortwörtlich so: „er hatte nichts Besseres zu tun.“  Auch wir haben „nichts Besseres zu tun“. Ob wir nun lachen und uns freuen, oder ob wir leiden: Das Gebet ist das zentrale Element des christlichen Glaubens. Ohne Gebet haben wir keinen christlichen Glauben. Das Gebet ist zu jedem Zeitpunkt und in jeder Stunde unseres Erdenlebens das, was den Kontakt zu der einzigen Quelle des Friedens und der Freude aufrechterhält. Wir dürfen als erlöste Christen hinzutreten zu dem Thron der Gnade (Hebräer 4,16). Dort finden wir allezeit Barmherzigkeit und Gnade. Jesus war ein Beter. Er betete, sooft er konnte und auch hier in der Stunde der größten Not beginnt er sofort wieder mit dem Gebet. Doch auch was er dort betet, ist erstaunlich. Er ruft nicht „Vater, hilf mir“. Er ruft nicht „Vater, nimm mir meine Schmerzen“ sondern er ruft „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Seine größte Sorge

Diese Bitte zeigt uns, was wirklich in ihm vorgeht. Wir sehen hier sehr deutlich das Denken Jesu. In diesen Worten zeigt sich, was seine größte Sorge ist. Seine Schmerzen? Nein. Sein bevorstehender Tod? Nein. ER sorgt sich um diese Menschen, die ihn zu Unrecht verurteilt haben. Er sorgt sich um die Menschen, die gerufen haben „Kreuzige ihn“. Er sorgt sich um die Römer, die von römischem Recht und von Gerechtigkeit faseln und doch aus politischen Gründen einen völlig Unschuldigen umbringen. Er sorgt sich um die Juden, die Gott nicht nur einfach ungehorsam sind, sondern die hier ihren eigenen Gott hinrichten. Seine Sorge gilt den Menschen, die er so sehr liebt. Seine Sorge gilt auch dir.

Er denkt nicht an seine Qualen und seine Schmerzen, er denkt an den Zorn Gottes, der über allen Menschen ist. Er denkt an all das Böse, das du und ich getan haben und er weiß, dass uns das furchtbare Strafgericht treffen wird.

DAS ist seine einzige Sorge. Was für ein Mensch. Was für ein Gott. Was für ein Erlöser!

Ahnungslos?

„…denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Wie ist denn das nun aber gemeint „denn sie wissen nicht was sie tun“? Die Juden mussten doch wissen, dass er der Messias ist. Er hat gemacht, das Blinde sehen und Lahme gehen, dass Stumme Reden und Taube hören und er hat sogar Tote zum Leben erweckt. Er MUSS der Messias sein und die Juden haben das gewusst. Wie kann man das sagen, sie wüssten nicht, was sie tun?

Nun, wir dürfen eines nicht vergessen: Sie haben wirklich nicht gewusst, was sie tun. Die ganze Tragweite ihrer schrecklichen Tat war ihnen nicht bewusst. Mal ganz ehrlich: Wer unter uns begreift denn dieses furchtbare und herrliche Geschehen am Kreuz voll und ganz? Wer von uns hat das Erlösungswerk wirklich komplett durchschaut? Wer von uns kann von sich behaupten, alles zu verstehen, was Christus dort am Kreuz von Golgatha getan hat?

Ich behaupte, keiner von uns kennt alle seine Sünden, wie kann er dann die Erlösung begreifen, wo es um alle Sünden aller Menschen geht? Oder meinst Du, du kennst deine Sünden? Was hast Du in dieser Woche Böses getan? Hast du es als deine Sünde bekannt? Hast Du um Vergebung gebeten? Ja? Gut.

Aber ich sage Dir, deine Sünden waren viel zahlreicher und heftiger, als Du denkst. „Sünde“ ist viel mehr als die paar „Sünden“, an die wir uns erinnern können. Jedes böse Wort, jeder böse Gedanke, jedes Aufblitzen von Eigennutz, Eigenliebe, Habsucht, Begierde, Wut und Hass. Alles eine Sünde. Hast Du das auch mit einbezogen in deine Rechnung? Jeder von uns sündigt hunderte oder tausende Mal jeden Tag und wir sind so abgestumpft, dass wir es oft gar nicht merken. Wie leben in einer durch und durch sündigen Welt. Wir haben uns so gewöhnt an die Sünde, dass wir nur die gröbsten und größten unserer Sünden überhaupt noch wahrnehmen.

Aber der Erlöser am Kreuz, der weiß es und er bittet seinen Vater nicht nur für die Verbrecher, die ihn ans Kreuz genagelt haben. Er bittet auch für uns. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Verstehst Du? Jesus hängt an diesem Kreuz, gepeinigt von seinen Qualen. Gefoltert durch die Beleidigungen und die Schläge und durch die Nägel. Und das Erste, woran er denkt, ist, dass er den Vater um Vergebung bittet. Nicht für seine eigenen Sünden, nein, er denkt an uns Sünder. Welch ein Gott, der voller Gnade und Erbarmen ist. Dieser Gott ist wirklich anbetungswürdig. Dieser Gott verdient unsere Loblieder.

Jesus bittet für uns

Jesus Christus bittet für die Menschen. Übrigens tut er das auch noch heute. Auch heute und jetzt tritt er vor dem Vater für die Gläubigen ein:

Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
1.Johannes 2,1-2 (Schlachter 2000)

Auch in Hebr. 7,25 steht das so:

Daher vermag er auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden.“

und auch in Römer 8,24:

wer ist, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der [auch] auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.“

Der Herr Jesus Christus kam als Mensch auf diese Erde und ist stellvertretend für uns gestorben. In der Stunde seiner größten Not und der größtmöglichen Schmerzen zeigte er uns, worum seine Gedanken kreisten. In der Stunde der unvorstellbaren Leiden zeigte er uns sein Herz und seine Liebe zu uns. Er trat vor dem Vater für uns Menschen ein. Wir dürfen ihm nacheifern. Wir sollen uns diesen wunderbaren Herrn zum Vorbild nehmen. Er ist ein Vorbild für uns, was das ständige Gebet betrifft. Er ist auch ein Vorbild für uns, was seine Vergebungsbereitschaft betrifft. Wenn er sogar den Leuten vergeben hatte, die ihm ein paar Minuten vorher Nägel durch die Hände schlugen, dann sollten wir doch auch vergeben, was uns angetan wird. Und er ist ein Vorbild für uns, was die Fürbitte betrifft. Denn er denkt im Gebet nicht zuerst an sich selbst, sondern an andere. Er bittet den Vater für die Menschen. Er bittet den Vater für die Sünder. Das tut er auch jetzt und wir dürfen ihn dankbar dafür anbeten, dass er auch jetzt beständig vor dem Vater für alle Eintritt, die an ihn glauben. Halleluja – gepriesen sei der HERR.