Kolosser 1,24-29
Thomas Roser
3. Mai 2026
Einleitung
Befiehl Du deine Wege / Paul Gerhardt, Strophe 6
Hoff. o du arme Seele / hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle, da dich dein Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit
so wirst Du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud
Was bedrückt Dich heute? Was bedrückt deine Seele? Was macht Dir zu schaffen? Oder wie es Paul Gerhardt in dem Lied ausgedrückt hat “Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt” - also „Was kränkt dein Herz“? Oder frei nach Strophe 6 “in welche Höhle des Kummers” hast Du dich zurückgezogen? Ich möchte Dich heute einladen. Ich möchte Dich einladen, heute neuen Mut zu finden und Mut zu fassen und festzuhalten. Die Botschaft, die ich Dir heute verkündigen darf, ist eine Botschaft, die uns herausholen kann aus unserer Kummerhöhle und uns den wunderbaren Anblick gewährt, von dem hier die Rede ist: die Sonn der schönsten Freud. Die Sonn der schönsten Freud darf dir heute aufgehen. Freu dich darauf!
Befiehl Du deine Wege / Paul Gerhardt, Strophe 11
Wohl dir, du Kind der Treue / du hast und trägst davon
mit Ruhm und Dankgeschreie / den Sieg und Ehrenkron;
Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt.
Wie kann das gelingen? Wie können wir den Kummer und die Kränkung überwinden? Es ist entscheidend wichtig, den Blick von den eigenen Sorgen und dem Kummer wegzuwenden und hinzublicken auf unseren Herrn und Heiland Jesus Christus. Lasst uns nun gemeinsam den Blick werfen auf den, der alles Leid wenden kann.
Offenbarung 1,12-16
12 Und ich wandte mich um und wollte nach der Stimme sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, da sah ich sieben goldene Leuchter, 13 und mitten unter den sieben Leuchtern Einen, der einem Sohn des Menschen glich, bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee; und seine Augen waren wie eine Feuerflamme, 15 und seine Füße wie schimmerndes Erz, als glühten sie im Ofen, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. 16 Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert hervor; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Kraft.(Übersetzung: Schlachter 2000)
SEIN ANGESICHT LEUCHTETE WIE DIE SONNE IN IHRER KRAFT! Ganz erstaunlich, dass Johannes trotzdem so viele Details beschreiben kann, dass er trotzdem noch gesehen hat, welches Gewand der Herr anhatte und dass er einen goldenen Gürtel hatte. Johannes wurde ohnmächtig, als er den verherrlichten Herrn Jesus sah, aber nicht nur, weil er erschrocken ist, sondern weil der Anblick so schön war. Denn hier begegnet uns der Herr nicht als der Richter, der seinen Zorn auf die Erde ausgießt. er hat das scharfe zweischneidige Schwert, das aus seinem Mund hervorgeht, aber hier richtet er nicht, er tröstet.
CH Spurgeon (aus der Predigt „der Mann der Schmerzen“)
Seine Hand trägt keinen Donner,
kein Schrecken liegt auf seiner Stirn;
keine Blitze, um eure schuldigen Seelen
in die wilden Flammen der Unterwelt zu treiben.
Er ist ein Mensch mit Händen voller Segen, Augen, die von Tränen des Mitleids benetzt sind, Lippen, die vor Liebe überfließen, und einem Herzen, das vor Zärtlichkeit schmilzt.
Lasst uns mal dieses Bild des Herrn Jesus Christus in seiner strahlenden Herrlichkeit festhalten, wo das Angesicht leuchtet wie die Sonne in ihrer Kraft und lasst uns weitergehen zum Schluss der Offenbarung.
Offenbarung 21,22-23
22 Und einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn der Herr, Gott der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm.
23 Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie in ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.
Offenbarung 22,3b-5a
3 Und es wird keinen Fluch mehr geben; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen; 4 und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein. 5 Und es wird dort keine Nacht mehr geben, und sie bedürfen nicht eines Leuchters, noch des Lichtes der Sonne, denn Gott, der Herr, erleuchtet sie; und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lasst uns bitte versuchen, diese beiden Bilder von unserem Herrn und Heiland festzuhalten. Sie sind uns beide von Gott geschenkt. Das eine Bild vom verherrlichten Christus, dessen Angesicht wie die Sonne strahlt. Das andere Bild, wo genau dieses Licht des Lammes das neue Jerusalem erleuchtet, die Stadt, die aus dem Himmel gekommen ist. Das, liebe Geschwister, ist unsere HOFFNUNG. Das ist unsere HOFFNUNG. Diese HERRLICHKEIT ist unsere HOFFNUNG. Die HOFFNUNG der HERRLICHKEIT. Es gibt fünf Stellen im Neuen Testament, wo von der Hoffnung der Herrlichkeit die Rede ist: Römer 5,2; Titus 2,13; 1.Petrus 1,21; Epheser 1,18 und die fünfte Stelle ist in unserem heutigen Predigttext:
Textlesung
Kolosser 1,24-29
24 Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung,
25 deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden:
26 das Geheimnis, das von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenbart worden ist,
27 denen Gott offenbaren wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses sei unter den Nationen, das ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit;
28 den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen;
29 wozu ich mich auch bemühe, indem ich kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft.(Übersetzung: Elberfelder)
Der Dienst des Paulus
- Wie kann der Apostel die Leiden Christi ergänzen?
- Was ist die Verwaltung Gottes?
Der Reichtum der Herrlichkeit des Geheimnisses
- Das Geheimnis war verborgen
- Das Geheimnis wurde den Heiligen geoffenbart
- Gott selbst wollte den Reichtum der Herrlichkeit des Geheimnisses offenbaren
- Christus in euch - die Hoffnung der Herrlichkeit
Das Ziel Gottes mit den Menschen
- Wie sieht das Ziel Gottes aus?
- Für wen hat Gott dieses Ziel?
- Wer trägt die Verantwortung für die Erreichung dieses Ziels?
Was macht diese Botschaft mit uns und wie hilft uns das weiter?
Der Dienst des Paulus
1. Wie kann der Apostel die Leiden und Bedrängnisse des Christus ergänzen?
Kolosser 1,24
24 Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung,(Übersetzung: Elberfelder)
Wie kann Paulus so etwas schreiben? Ist denn das Leiden und Sterben unseres Herrn am Kreuz nicht einzigartig und völlig ausreichend? Ja, das ist es - aber davon hat Paulus auch nicht geschrieben: Er hat nicht geschrieben und auch nicht angedeutet, dass das stellvertretende Leiden unseres HERRN und HEILANDS Jesus Christus irgendwie unvollkommen wäre. Das sei ferne! Er hat auch nicht davon gesprochen, dass er das irgendwie ergänzen könnte. Damit würde er sich ja auch selbst widersprechen, denn in Vers 14 schreibt er “in dem wir die Erlösung haben” und in Vers 22 schreibt er “hat er nun versöhnt”. Das Erlösungswerk Gottes ist abgeschlossen - fertig - es ist vollbracht. Der Sohn Gottes, Jesus Christus hat am Kreuz für die Sünde mit seinem Leben bezahlt. An der Erlösung war kein Mensch beteiligt und das Erlösungswerk ist vollbracht. Was Paulus hier gesagt hat, ist Folgendes: Leid und Drangsal sind nichts Fremdes für die Gemeinde. Das liegt teilweise daran, dass der besiegte Feind noch tobt. Der Angriff Satans gegen Christus ist noch nicht abgeschlossen. Der Sieg am Kreuz ist zwar schon errungen und Christus hat triumphiert, wie wir in Kolosser 2 noch sehen werden. Die Entscheidungsschlacht ist schon geschlagen und der alles entscheidende Sieg ist errungen worden. Aber der Feind tobt noch und der Krieg ist noch nicht ganz zu Ende. Christi Leib, die Gemeinde leidet heute unter vielen Drangsalen. Jesus hatte das schon angekündigt in Johannes 15,20 “haben sie mich verfolgt, dann werden sie auch euch verfolgen.” Jeder treue Gottesknecht muss Drangsal erleiden. Es ist eine Drangsal, die Gott ihm auferlegt (Matthäus 5,10-12). Denn Gott formt uns auch durch Leiden, durch Drangsal.
2. Was ist die Verwaltung Gottes?
Paulus schreibt:
Kolosser 1,24-25
24 Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung,
25 deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden:(Übersetzung: Elberfelder)
ELB: Verwaltung Gottes - S2000: Haushalterschaft Gottes - JAN: Verwalterschaft Gottes
a.) Verwaltung im Bezug zur Gemeinde
Er schreibt am Ende von Vers 24 „die Versammlung“ und danach „deren Diener ich geworden bin.“ Die Verwaltung ist “im Bezug auf euch”. Der Dienst des Apostels war also zielgerichtet auf die Gemeinde. Er hatte einen Verwalterdienst für den Herrn übernommen, aber der direkte Nutznießer war die Gemeinde.
b.) Verwaltung in Bezug auf das Wort Gottes
“Um das Wort Gottes zu vollenden” schreibt er in Vers 25. Paulus war völlig klar: das, was ich von Gott bekommen habe und was ich als Botschaft weitergebe also in Wort und in Schriftform, das macht das Wort Gottes vollständig und bringt es zum Ziel, zum Abschluss. Er sagt also, was Mose, David, Salomo, Jesaja, Jeremia, Daniel und all die anderen Propheten begonnen haben, das führe ich, Paulus weiter und ich schließe es ab, indem ich die Lehre vervollständige. Und das ist keine Überheblichkeit, Stolz oder Anmaßung, denn auch Petrus sah das so: In 2.Petrus 3,15-16 stellt er die Briefe des Paulus auf eine Stufe mit den anderen Schriften. Paulus hat also von Gott die Ehre übertragen bekommen, das Wort Gottes in seiner Lehre zu vervollständigen. Paulus zeigt uns dann im nächsten Vers, worin die Ergänzung, also die Vollendung von Gotteswort besteht.
Der Reichtum der Herrlichkeit des Geheimnisses
Kolosser 1,26-27
26 das Geheimnis, das von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenbart worden ist,
27 denen Gott offenbaren wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses sei unter den Nationen, das ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit;(Übersetzung: Elberfelder)
1. Das Geheimnis war verborgen
Paulus hat an mehreren Stellen von dem Geheimnis geschrieben, dass jetzt offenbart wurde. Offenbart. Laut 2. Timotheus 1,10 geschah das “durch die Erscheinung unseres Retters Jesus Christus”. Es wurde offenbart, offengelegt und vorher war es verborgen. Verborgen heißt nicht: jetzt kommt etwas Neues, sondern etwas, was schon da war, aber uns völlig unbekannt. Das Geheimnis war so verborgen, dass wir noch nicht einmal wussten, dass es ein Geheimnis gibt. Aber der Inhalt dieses Geheimnisses, das war keine neue Sache, keine Neuerfindung. Vor Grundlegung der Welt war alles vorher bestimmt, nämlich die Erlösung durch seinen Erwählten, Christus - das war nicht Gottes Plan B, nachdem das mit Israel schiefgegangen ist. Es war vorher schon genauso geplant. Aber es war ein Geheimnis und es war komplett verborgen.
2. Das Geheimnis wurde seinen Heiligen offenbart
Der Aufruf zur Buße, die Verheißung der Erlösung und der stellvertretende Opfertod Jesu Christi am Kreuz sind öffentlich bekannt gemacht und sollen weiter verbreitet werden. Christus, in euch die Hoffnung der Herrlichkeit wird nur denen offenbart, die gerettet werden. Nur diese können überhaupt ein Verständnis dafür entwickeln, was das bedeutet - so, wie Jesus in den Evangelien sagte: euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen. (Matthäus 13,11 + Markus 4,11 + Lukas 8,10)
3. Gott selbst wollte den Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses offenbaren.
Gott hätte das alles geheim halten können. Aber was für ein schreckliches, kümmerliches Leben hätten wir, wenn wir zwar erlöst, aber ahnungslos wären. Was wäre das gewesen, wenn wir von Gott erlöst werden, aber wüssten es nicht oder würden es nicht verstehen. Gott will aber keine ahnungslosen Kinder, die im Dunkeln tappen, das würde auch nicht funktionieren: Denn wir haben ja einen Auftrag. Laut 1.Petrus 2,9 “wir sollen die Tugenden dessen verkünden, der uns berufen hat, aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.” Dazu müssen wir aber natürlich seine Tugenden kennen. Wir brauchen Licht, um von dem Licht zu zeugen. Wir brauchen ein Verständnis, eine Erkenntnis, um das auch weitersagen zu können. Wir können dazu beitragen, im Verständnis und der Erkenntnis zu wachsen, indem wir täglich unsere Bibel lesen und das Wort Gottes aufmerksam studieren. Aber Gott schenkt uns in seiner Güte noch viel mehr als nur einen Dienstauftrag. Er offenbart seinen Kindern, was sie jetzt sind und was sie sein werden. Er schenkt uns Hoffnung und damit eine Zukunft. Diese Hoffnung trägt uns durch dunkle Zeiten und durch die Bedrängnis hindurch. Ich präzisiere: Diese Hoffnung, die uns vom Herrn geschenkt wird, ist stark und mächtig genug, uns durch jede dunkle Zeit und durch jede Bedrängnis hindurch zu tragen. Völlig unabhängig davon, wie es uns gerade geht, ist das die Wahrheit: Die Hoffnung, die der Herr uns schenkt, ist keine vage Idee, dessen, was möglich sein könnte, sondern die kraftvolle Gewissheit dessen, was ganz sicher passieren wird. Gott beschenkt uns mit Hoffnung, damit wir nicht verzagen. Und wie gewaltig und wie kraftvoll diese Hoffnung ist, dass sehen wir, wenn wir jetzt zum Höhepunkt dieses ganzen Abschnitts kommen.
4. Christus sind euch - die Hoffnung der Herrlichkeit
Kein Wunder, wenn hier vom Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses die Rede ist. Denn was hier steht, ist gewaltig. Schon, dass das Heil auch zu den Heiden gekommen ist, das hat die Welt bewegt. Aber diese Botschaft hier stellt alles in den Schatten. Der Apostel schreibt hier im direkten Auftrag Gottes, dass der Sohn Gottes in den Gläubigen ist. Das ist radikal anders als jede Religion und jeder Götzenkult. Diese Botschaft ist komplett anders und sie hat grundlegend verändernde Konsequenzen. Wenn Christus, unser Erlöser in uns wohnt, dann ist ja ein Stück der himmlischen Herrlichkeit schon jetzt in unserem Leben. Wenn Christus, unser Erlöser in uns wohnt, dann ist ein Stück der himmlischen Herrlichkeit schon jetzt in unserem Leben. Denn Christus ist im Himmel, und er ist dort zur Rechten Gottes. Er tritt für uns vor dem Vater ein und ist doch gleichzeitig in uns. Das ist die stärkste Verbindung mit dem Herrn, die nur möglich ist. Er ist in uns und da ist es kein Wunder, wenn der Apostel schreibt “die Hoffnung der Herrlichkeit”. Die himmlische Herrlichkeit ist nicht etwas theoretisches, etwas theologisches, was keinen praktischen Wert hat. Sie ist in unserem Herzen fest verankert durch den Sohn Gottes. Wenn der Sohn Gottes in uns ist, dann ist die Gegenwart Christi nichts fernes. Es ist nichts, was erst in der Zukunft geschieht. Christus ist jetzt da. Wenn du an ihn glaubst, dann ist er in dir - das ist unsere Hoffnung. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Wenn Du glaubst, dann ist er in dir und er geht morgen früh mit dir an die Arbeit oder in die Schule. Gottes Liebe, Gottes Kraft, Gottes Weisheit, Gottes Licht, - er geht mit dir, weil er in dir ist. Diese Hoffnung wird zurecht Hoffnung der Herrlichkeit genannt. Das ist alles erheblich mehr, als das, was die Gläubigen des Alten Testamentes hatten: Denen hatte Gott eine Zusage, eine Verheißung gegeben: Wenn ihr mir allezeit gehorcht, dann werde ich mitten unter euch wohnen. Das war gewaltig und die Heidenvölker haben das auch begriffen und haben deswegen gezittert, wie wir im Buch Josua sehen. Aber wir haben heute viel mehr. Gott wohnte in einem Zelt mitten im Volk? Das ist großartig. Aber Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit, das ist noch viel, viel größer. Wenn wir das begriffen haben, dann können wir mit großem Mut an unsere Kämpfe gehen, die wir auszufechten haben. Wenn wir das erkennen, was das bedeutet, Christus in euch, wenn wir begreifen, was die Hoffnung der Herrlichkeit ist, dann dürfen wir auch wissen, dass Bewahrung, Sieg, Ruhe und Frieden mit dieser Tatsache verbunden sind.
Das alles hat sich übrigens nicht der Apostel Petrus ausgedacht und es stammt auch nicht vom Apostel Paulus, sondern dieser Glaube basiert auf einer Verheißung, die Jesus Christus seinen Jüngern in der großen Abschiedsrede im Johannesevangelium gegeben hat. Die Kapitel 13-16 sind ja seine Abschiedsrede an die Jünger und dort steht im Kapitel 14 eine sehr wichtige Verheißung:
Johannes 14,16-20
16 Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch bleibt in Ewigkeit, 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie beachtet ihn nicht und erkennt ihn nicht; ihr aber erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.
18 Ich lasse euch nicht als Waisen zurück; ich komme zu euch. 19 Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich; weil ich lebe, sollt auch ihr leben! 20 An jenem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.(Übersetzung: Schlachter 2000)
„dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.“ Auch im nächsten Kapitel sagt er das mehrfach, dass wir in ihm bleiben sollen und er wird in uns bleiben. Das ist also eine sehr wichtige geistliche Wahrheit: Wir sollen in Christus bleiben und er verheißt uns, in uns zu sein.
Diese Hoffnung der Herrlichkeit - Christus in uns- das wollte Gott uns offenbaren. So steht es in Vers 27
Kolosser 1,27
27 denen Gott offenbaren wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses sei unter den Nationen, das ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit;(Übersetzung: Elberfelder)
Wir können den Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses entdecken und die Hoffnung der Herrlichkeit für uns in Anspruch nehmen, wenn wir uns auf die herrliche Verheißung unseres Herrn Jesus stützen. „ich komme zu euch“ hat er seinen Jüngern angekündigt und „ich bin in meinem Vater und ihr in mir und ich in euch“ (Johannes 14). Das ist die Hoffnung der Herrlichkeit. Und es ist die Antwort auf die Frage. Es ist die Antwort auf die Frage nach dem Leid, den Sorgen, dem Kummer. Das ist das, wovon Paul Gerhardt in der 6.Strophe geschrieben hat.
[!cite] Befiehl Du deine Wege, Strophe 6 Hoff, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn der schönsten Freud.
Die Sonn der schönsten Freud, das ist für mich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit! Das ist die Antwort, die es hell werden lässt in der Höhle unseres Kummers. Das ist die Antwort, die uns den Blick gewährt auf die Sonn der schönsten Freud. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit - diese Wahrheit, die auf einer Verheißung unseres Herrn beruht, diese Wahrheit richtet unseren Blick hin auf den verherrlichten Christus, dessen Angesicht hell strahlt wie die Sonne und der in der Zukunft die Leuchte sein wird, die das ganze neue Jerusalem erleuchten und durchdringen wird. Wenn dieses Licht so hell strahlt, dass Johannes bei seinem Anblick in Ohnmacht fällt und wenn dieses Licht hell genug ist, eine riesige Stadt zu erleuchten, dann muss es doch auch möglich sein, dass es in der Höhle deines Kummers hell werden kann. Diesem wunderbaren, strahlenden Herrn und dem doch gleichzeitig so barmherzigen Heiland dürfen wir unseren Kummer anvertrauen - denn er KÜMMERT sich um uns. Wir dürfen ihm unsere Sünden bekennen, denn er hat unsere Sünden getragen. Wir dürfen alle unsere Sorgen auf ihn werfen. Er sorgt für uns.
Nun ist es nicht leicht, von diesem hohen Gipfel der Erkenntnis wieder herab zu steigen und diese herrliche Wahrheit nicht mehr genau zu betrachten - aber Paulus hat es auch getan. Er hat weitergeschrieben. Die Kolosser haben weiter gelesen und so wollen auch wir es halten und uns den Schluss in diesem Textabschnitt anschauen.
Kolosser 1,27-29
27 denen Gott offenbaren wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses sei unter den Nationen, das ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit;
28 den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen;
29 wozu ich mich auch bemühe, indem ich kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft.(Übersetzung: Elberfelder)
Das Ziel Gottes mit den Menschen
1. Wie sieht das Ziel Gottes aus?
“jeden Menschen vollkommen darstellen in Christus” Das Ziel Gottes mit jedem Menschen ist es, dass er am Ziel ankommt, also zum Ziel gebracht wird. Wer jetzt zurück denkt an Vers 22, der denkt genau richtig. Christus hat uns versöhnt in dem Leib seines Fleisches, durch den Tod um uns heilig und tadellos und unverklagbar vor sein Angesicht zu stellen.
2. Für wen ist dieses Ziel geplant?
Im Text steht dreimal jeden:
- indem wir jeden Menschen ermahnen
- und jeden Menschen lehren in aller Weisheit
- damit wir jeden Menschen vollkommen in Christus darstellen Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen .
wer trägt die Verantwortung für die Erreichung des Zieles?
a.) Paulus?
Wenn man nur Vers 29 betrachtet, dann könnte man denken, es geht um Paulus. Er hat ja seinen Dienst, seine Verwalterschaft sehr deutlich gemacht. Also ist Paulus zuständig? Wirklich? Ist er für die Erreichung der Menschen heute zuständig? Ist das seine Aufgabe, oder unsere? Vers 28, löst das auf: wir ermahnen, wir lehren, damit wir jeden Menschen vollkommen darstellen in Christus. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, wie es auch in Kolosser drei Vers 16 als Auftrag formuliert wird.
b.) Mit Gottes Hilfe
Wenn der Auftrag gelingen soll, dann dürfen wir uns Paulus zum Vorbild nehmen und in Vers 29 ist sehr deutlich, dass er es nur mit Gottes Hilfe getan hat. Es geht um Gottes Wirken, um seine Kraft. Natürlich sollen wir uns anstrengen, natürlich sollen wir darum ringen, ihm richtig zu dienen. Aber letztlich geht es immer um sein Wirken in uns und um seine Kraft in uns, die durch uns wirkt. Eine Kraft, die in uns wirkt, weil der, der alle Kraft und Macht hat, in uns wohnt. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
Das macht diesen Text ganz besonders wertvoll: Uns wird geholfen, dieses Wort ist für uns, die Gläubigen in Christus Jesus - aber es geht nicht nur um uns. Es geht um etwas viel größeres. Uns wird geholfen in unseren Nöten, in unserem Kummer. Aber Gott will uns gebrauchen, damit Gott auch anderen dieses Geheimnis offenbaren kann. Die Sonn der schönsten Freud strahlt also nicht nur tief hinein in unsere Höhle des Kummers. Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit, diese Botschaft holt uns heraus aus unserer Höhle. Dieses Geheimnis, das nun offenbart ist, verändert uns und stellt uns in den Dienst. Diese herrliche Wahrheit befähigt uns dazu, nicht nur selbst am herrlichen Erlösungswerk unseres Herrn teilzuhaben, sondern auch andere einzuladen. Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit, das sollen noch viel mehr Menschen erfahren. Noch viel mehr Menschen sollen befreit werden zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Noch viel mehr Menschen sollen die Befreiung erleben von ihren Sorgen, ihren Kummer, aber vor allem Errettung aus der Gottesferne, der Sünde und dem ewigen Tod. Möge Gott uns die Kraft dazu schenken, das weiterzusagen. Amen.