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5 Irrtümer über die Offenbarung

Die Offenbarung ist ein ganz besonderes Buch der Bibel. Sie schließt das Neue Testament (und damit die ganze Bibel) ab und gibt uns einen Einblick in die Zukunft.  Sie wird als geheimnisvolles Buch voller Katastrophen wahrgenommen. Ständig wird versucht, die bildhaften Darstellungen der Offenbarung irgendwie zu entschlüsseln. Grundsätzlich ist es auch sehr gut, genau darauf zu achten, was darin steht. Denn in Offenbarung 1,3 wird jedem, der das tut und sein Leben daran ausrichtet, Glückseligkeit versprochen (siehe Artikel „Glückseligkeit„).

Wenn man sich der Offenbarung auf die angemessene Weise nähern will und wenn man danach strebt, dieses Buch wirklich zu verstehen, dann darf man auf ein paar klassische Missverständnisse nicht hereinfallen. Solche Missverständnisse oder Irrtümer kursieren zur Genüge. Die meisten davon lassen sich sehr leicht entkräften.

 

Irrtum Nummer 1: „Die Offenbarung des Johannes“

In zahlreichen Bibeln lautet die Überschrift über diesem Buch „Die Offenbarung des Johannes“. Auch in vielen Bibelkommentaren wird das Buch so genannt. Manchen nennen es auch „Apokalypse des Johannes“. Nun ist „Apokalypse“ das griechische Wort für Offenbarung. Das wäre soweit richtig, aber völlig falsch ist die Bezeichnung „…des Johannes“. Schon im ersten Vers der Offenbarung wird ganz klar definiert, wie dieses Buch heißen muss:

Offenbarung, Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, um …..“ (Offb. 1,1 Schlachter 2000)

Warum wird die „Offenbarung Jesu Christi“ nun so oft als „Offenbarung des Johannes“ bezeichnet? Das hat geschichtliche Gründe. Es gab früher einige Autoren, die auf „Offenbarungen“ veröffentlicht haben. Diese Literaturgattung nennt man heute „Apokalyptik“. Um nun die verschiedenen Werke unterscheiden zu können, nannte man die Apokalypse, die der Apostel Johannes niedergeschrieben hat, die „Offenbarung des Johannes“. Man wollte sie damit von den anderen unterscheiden und das ist auf jeden Fall eine gute Sache und durchaus gut gemeint. Das Problem daran ist nur, dass dieser Titel dazu verleitet, dass man davon ausgeht, dass der Mensch Johannes sich die Offenbarung ausgedacht hat. Tatsächlich findet man immer wieder Behauptungen wie z.B. „Johannes wollte Trost spenden in der Bedrängnis“. Das ist schlichtweg falsch. Johannes wollte gar nichts. Johannes war im Gebet, als er die Offenbarung bekam (Offb. 1,9-10). Johannes hat die Offenbarung nur empfangen und sie aufgeschrieben (Offb. 1,1-2). Der Titel „Offenbarung des Johannes“ ist also gut gemeint, weil er klar definiert, um welches Buch es geht. Dieser Titel lenkt uns aber von der Tatsache ab, dass die Offenbarung eine göttliche Offenbarung ist, die zwar von einem Menschen aufgeschrieben worden ist, aber doch himmlischen Ursprungs ist.

 

Irrtum Nummer 2: „Apokalypse“ ist Weltuntergang

Wenn man in Google nach „Apokalypse“ sucht, dann findet man als erstes eine Definition dieses Wortes von Google. Dort steht unter anderem:

„vor allem religiöse Gattung zu Themen des Weltuntergangs, verbreitet seit den antiken Schöpfungsmythen.“

Im umgangssprachlichen Gebrauch ist „Apokalypse“ etwas ganz furchtbares, endgültiges und oft genug eben das Ende der Welt und allen Lebens. Als  „apokalyptische Zustände“ bezeichnet man z.B. die Situation nach einem Vulkanausbruch oder einer Hitzewelle oder Starkregenereignissen.

Woher kommt dieses Wort?

Die ersten Worte der Offenbarung lauten in griechisch „Ἀποκάλυψις Ἰησοῦ Χριστοῦ„. Auf deutsch übertragen „Apokalypse Jesu Christi“. Nun ist es aber sachlich nicht richtig, dieses Wort „Apokalypse“ mit „Weltuntergang“ zu übersetzen. Das Wort ist aus einer Präposition und einem Verb zusammengesetzt. griechische Verb „καλύπτω“ (kalypto) lässt sich mit verbergen, verhüllen, verdecken oder verheimlichen übersetzen. Die Präposition „άπό“ (apo) bedeutet soviel wie „weg von…“ oder „von…weg“.  „Apo-Kalypse“ ist also die „Ent-Hüllung“ oder eben „Offenbarung“. Das Wort Apokalypse hat also nicht das geringste mit Weltuntergangsszenarien zu tun, sondern beschreibt eine Enthüllung, Offenbarung, Offenlegung oder Bekanntmachung von etwas, was vorher ein Geheimnis war.

 

Irrtum Nummer 3: Die Offenbarung ist unverständlich

Dieses Buch der Bibel gilt als besonders schwer verständlich und durch die reiche Bildersprache als nur schwer zugänglich. Doch wenn die Offenbarung wirklich eine „Offenbarung“ ist, also die Offenlegung von etwas, was vorher verborgen war, dann ist es doch unlogisch anzunehmen, dass sie nicht verstanden werden kann. Wir sollten also grundsätzlich davon ausgehen, dass Jesus Christus mit der Offenbarung etwas zeigen will. Tatsächlich steht es auch gleich im ersten Vers so beschrieben:

„Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen, was rasch geschehen soll; und er hat sie bekannt gemacht und durch seinen Engel seinem Knecht Johannes gesandt,“ (Offb. 1,1 Schlachter 2000)

Es wird also sofort klar, dass die Offenbarung dazu da ist, etwas zu zeigen. Aber eben nicht allen. Die Offenbarung ist kein Sensationsbuch, um die Neugier von allen möglichen Leuten zu befriedigen. Sie ist eine Offenbarung, um „seinen Knechten“ zu zeigen, was rasch geschehen soll. Wer nicht zu dieser Gruppe von Menschen gehört, der kann die Offenbarung auch nicht verstehen. Das sollte uns auch nicht überraschen, denn das gilt ja für das ganze Wort Gottes: Nur der Heilige Geist kann uns die Heilige Schrift verständlich machen (1. Kor. 2, 10-16). Ich denke aber, dass die Formulierung „seinen Knechten“ noch einen Schritt weitergeht. Es gibt ja Christen, die so vor sich hin leben und keineswegs daran denken, dass sie als Knechte des Herrn leben sollten. Sie möchten ganz gerne alles selbst entscheiden und glauben nicht, dass Gott will, dass sie seinem Wort gehorchen. Ich denke nicht, dass man solche als „seine Knechte“ bezeichnen kann. Hier sind wirklich nur die gemeint, die versuchen, in ihrem Alltag mit Jesus zu leben und die ihr ganzes Leben an ihm ausrichten wollen.

Irrtum Nummer 4: Eine Zeitleiste der Zukunft

Jesus Christus hat seinen Jüngern bei seiner Himmelfahrt sehr, sehr deutlich gesagt, dass sie nicht im Voraus wissen können, wann genau die Dinge der Zukunft geschehen (Apg.1,6-8). Trotz dieser klaren Aussage gibt es immer wieder Versuche, Zeiten und Zeitpunkte zu berechnen und manche glauben, dass man in der Offenbarung auch einfach eine Art Zeitleiste ablesen kann. Es ist schon abenteuerlich, mit welchen Tricksereien dann menschliche Gedankengebäude aufgebaut werden, um die Zukunft ganz genau darzustellen. Doch das funktioniert so nicht, weil die Offenbarung nicht so aufgebaut ist.

Auch das Gegenteil wäre falsch: Die Offenbarung beschreibt und Ereignisse der Zukunft und wir erfahren darin sehr viel über die Dinge, die noch passieren werden. Deswegen darf man sie auch nicht nur allegorisch verstehen, da sie genauso wie die anderen Bücher der Bibel auch reale Geschichte beschreibt. Im Fall der Offenbarung eben eine Geschichte der Zukunft. Doch ich warne davor, bei jedem neuen Ereignis in der Weltgeschichte sofort wieder mit einem neuen Gedankengebäude die Gläubigen zu verwirren. Vor wenigen Jahren, als der Islamische Staat sich ausbreitete, tauchten die wildesten Spekulationen auf, was denn die nähere Zukunft bringen würde. Da wurden auch von seriösen, bibeltreuen Gläubigen Spekulationen in die Welt gesetzt, die jetzt, wo der IS kurz vor dem Ende steht, lächerlich erscheinen. Das Problem daran ist, dass diese Spekulationen immer mit zahlreichen Bibelstellen als „biblische Lehre“ verkauft werden. Wenn die Dinge dann nicht so eintreffen, wie es (von Menschen) vorhergesagt wurde, dann leidet die Glaubwürdigkeit der Bibel darunter. Wir sollten uns also nur an das halten, was wir in der Bibel tatsächlich finden und uns mit Spekulationen zurückhalten. Das ist vor allem bei der Offenbarung wichtig, da sie viele dazu verleitet, unnüchtern und sensationsgierig zu werden.

 

Irrtum Nummer 5: Die Offenbarung ist das Buch über das Böse

In der Offenbarung finden wir eine Beschreibung der Hure Babylon. Auch das Tier und der Antichrist werden darin gezeigt. Das ist fast schon Allgemeinbildung. Doch die Offenbarung ist nicht ein Buch über das Böse. Weder die Hure Babylon, noch das Tier, noch der Antichrist, der Teufel, die Zahl 666 und auch nicht die schrecklichen Plagen und Gerichte Gottes sind das Hauptthema dieses Buches. Diese Dinge fallen einem sehr schnell auf und sie bleiben uns sehr stark im Gedächtnis. Doch man muss es allen Christen immer und immer wieder sagen: Wir Christen warten nicht auf das Gericht. Wir warten nicht auf den Weltuntergang. Wir warten nicht auf das Jüngste Gericht. Wir warten nicht darauf, dass der Antichrist und das Tier sich zeigen und viele Menschen verführen werden. Wir warten auf den Herrn Jesus Christus, der in Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird. Wir warten darauf, dass dieser König aller Könige seine Herrschaft antritt. Wir warten darauf, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft und dass die Gläubigen von Ewigkeit zu Ewigkeit bei Gott sein dürfen. Dort, wo es keine Schmerzen, keine Tränen und kein Geschrei mehr geben wird (Offenbarung 21,4). Dann wird der Tod endgültig vernichtet sein und alle, die hier auf Erden Buße getan haben und dem Herrn Jesus Christus nachgefolgt sind, werden dann in Ewigkeit leben und bei ihm sein. DAS ist das Kernthema der Offenbarung. DAS ist das, worum es in der Offenbarung eigentlich geht. Die anderen Dinge werden auch beschrieben, aber doch immer nur als Zwischenstation zu dem, was danach kommen wird.

indem wir die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus“ (Titus 2,13 Schlachter 2000)

Siehe auch 2.Petrus 3,13, 1.Thessalonicher 1,10,  Philipper 3,20-21.

Wir können die Offenbarung nicht richtig verstehen, wenn wir ihren Schwerpunkt und ihr Ziel nicht beachten. Viele falsche Auslegungen der Offenbarung beruhen darauf, dass man sich einfach auf andere Dinge konzentriert. Wer aber als Knecht Jesu Christi danach strebt, diese Worte der Weissagung richtig zu verstehen und zu bewahren, der wird glückselig werden (siehe Artikel „Glückseligkeit„).