Einen fröhlichen Geber….
18. April 2017
Entrückung und Wiederkunft II
18. April 2017

Entrückung und Wiederkunft I

1.Thessalonicher 4,13-18
Klarheit, Trost und Hoffnung

Der Apostel Paulus schrieb einen wunderbaren Text, mit dem er bei den Lesern ein bestimmtes Ziel verfolgte: Er wollte Unwissenheit beseitigen, also Klarheit schaffen und trösten, indem er die wunderbare Hoffnung der Gläubigen zeigt.

13 Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben. 14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen. 15 Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrig bleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen; 16 denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. 17 Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. 18 So tröstet nun einander mit diesen Worten! (1.Thessalonicher 4,13-18 Schlachter 2000)

 

Die Entrückung

Den hier in 1.Thessalonicher 4,13-18 beschriebenen Vorgang nennt man „die Entrückung“. Es gibt im Internet sehr viele Texte über die Entrückung. Es gibt auch sehr viele Bücher über dieses Ereignis. Und meistens geht es dabei um ein einziges Thema: Den Zeitpunkt.

Wann wird die Entrückung sein und wird sie vor, nach oder während der Trübsal stattfinden? Es gibt auch viele aufregende Spekulationen darüber, dass dann Flugzeuge abstürzen und Autos verunglücken (weil die christlichen Piloten und Fahrer plötzlich verschwunden sind).

Zugegeben: Das ist schon ein spannendes Thema und ich hatte auch auf Bibelportal.de mal einen Artikel zu diesen Fragen online gestellt. Doch ist das wirklich so wichtig? Ist es das, was Paulus mit diesem Abschnitt im 1.Thessalonicherbrief erreichen wollte? Es gibt andere Bibelstellen, die Aussagen zum Zeitpunkt treffen (z.B. gleich das anschließende Kapitel). Doch hier in diesem Text scheint es dem Apostel um etwas anderes zu gehen. War es sein Anliegen, die Gemeinde in Thessalonich dazu zu bringen, möglichst viele Spekulationen über den Zeitpunkt der Entrückung anzustellen?

Ich denke nicht.

Und wenn ich mir die Vers 13 und 18 anschaue, dann verfestigt sich dieses Denken bei mir zu einer absoluten Gewissheit: Paulus hatte ein ganz anderes Ziel. Die beiden Verse stehen wie eine Klammer um den Text in 1.Thessalonicher 4,14-17. Wenn wir diesen Text verstehen wollen, dann müssen wir zuerst die Klammer um den Text erkennen und verstehen. Das ist übrigens genauso wie bei der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel. Auch da gibt es eine große Klammer um den ganzen Text (bzw. eigentlich sogar mehrere Klammern). Eine Klammer finden wir in Offenbarung 1,1 und 22,6. Diese Stellen sagen ganz klar, dass die Offenbarung Jesu Christi gegeben wurde, um seinen Knechten zu zeigen, was bald/rasch geschehen muss. Ausgehend von dieser Klammer erledigen sich viele Spekulationen um die Offenbarung.

Hier in 1.Thessalonicher 4 sagt die Klammer um den Text etwas anderes aus. In Vers 13 wird das Ziel des Textes angegeben („damit ihr nicht traurig seid“) und in Vers 18 wird die gleiche Wahrheit als Auftrag weitergesagt („so tröstet einander mit diesen Worten“). „Diese Worte“ (also 1.Thess.4,14-17) sind also dazu da, die Unwissenheit zu vertreiben (Vers 13) und damit die Trauer zu verhindern (Vers 14) und der Gemeinde Trost zu geben (Vers 18).

Jede Auslegung, die das nicht berücksichtigt, ist eine falsche Auslegung! Jede Auslegung, die sich in wilde Spekulationen über mögliche Zeitpunkte verirrt, ignoriert, dass Paulus mit dem Text aufklären und trösten will – und nicht verwirren. Eine Auslegung der Vers 14-17 kann nur dann richtig sein, wenn sie Klarheit und Trost bietet. Völlige Klarheit und umfassenden, wirksamen Trost. Jegliche Spekulation und jede Sensationslust und jegliches „Vielleicht“ geht vollkommen am Text vorbei. Paulus wollte mit den Versen Gewissheit geben und deswegen müssen wir den Text auch so auslegen, dass Gewissheit dabei herauskommt.

Wir können also nicht darüber spekulieren, ob die Entrückung vor, während oder nach der Trübsal sein wird. Wir können nicht darüber spekulieren, ob Jesus einmal oder zweimal wiederkommt (zuerst zur Entrückung und dann zum Machtantritt bei der eigentlichen Wiederkunft).

Was sagt der Text wirklich sicher aus?

Das Thema des Textes ist eigentlich nicht die Entrückung. Diese wird nur nebenbei erwähnt und deshalb auch nicht vollständig und umfassend erklärt. Das eigentliche Thema dieser Verse ist die Frage, die die Thessalonicher bewegt hat: Was ist mit unseren bereits verstorbenen Brüder und Schwestern, wenn der Herr wiederkommt?

Dazu muss man sich einfach mal in die Lage der damaligen Gemeinden versetzen. Der Brief wurde ungefähr im Jahr 50 an die Gemeinde in Thessalonich geschrieben. Also 20 Jahre nach Tod und Auferstehung unseres Herrn. Die Jünger hatten ab Pfingsten als Apostel das Evangelium verbreitet. Die ersten Jahre nur unter Juden, ab Apostelgeschichte 10 dann auch unter den Heiden (Nichtjuden). Eine Kernbotschaft des Evangeliums war damals (und ist es noch heute): Jesus Christus wird wiederkommen!

In Apostelgeschichte 1,11 sagen die Engel zu den Jüngern, nachdem Jesus Christus in den Himmel aufgefahren war, dass er genauso wiederkommen würde. Selbstverständlich sind die Jünger davon ausgegangen, dass das sehr bald passieren würde. Warum sollten sie auch damit rechnen, dass viele Jahrhunderte vergehen würden, bevor das passiert. Die Apostel hatten also eine echte Naherwartung und das haben sie natürlich auch den Gemeinden weitergesagt.

Es ist sehr wichtig, das richtig zu verstehen, denn wir blicken heute auf fast 2000 Jahre Kirchengeschichte zurück. Das hat dazu geführt, dass viele Christen nicht mehr ernsthaft damit rechnen, dass Jesus BALD wiederkommt.

Ich schon. Ich denke, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind. Er kann jeden Moment wiederkommen. Natürlich kann ich mich (wie so viele andere vor mir auch) täuschen, aber ich gehe davon aus, dass es noch zu meinen Lebzeiten geschehen wird. Ist das sicher? Nein, aber es ist hundertprozentig sicher, dass es jeden Moment so weit sein kann. Oder auch erst in 5 Minuten. In 2 Wochen. In 3 Monaten oder 4 Jahren. Keiner kann das wissen, aber wir müssen damit rechnen! Er kann jederzeit wiederkommen.

Diese Erwartung hatten die ersten Gemeinden auch. Doch nun waren plötzlich die ersten Gläubigen gestorben und das muss den Christen wie ein Ende ihres Glaubens vorgekommen sein. Was war nun mit denen, die schon gestorben sind? Sind sie schon beim Herrn? Schlafen Sie? Oder sind sie so tot, dass sie dummerweise die Wiederkunft des Herrn verpassen?

Klarheit oder Spekulation?

Diese oben genannten Fragen beantwortet Paulus hier. Er stellt klar, dass alle Spekulationen über den Tod sinnlos sind und nur zu Verzweiflung wie bei den Ungläubigen führen. Denn diese müssen natürlich verzweifelt sein im Angesicht des Todes. Wie furchtbar muss es sein, wenn man nicht an den Herrn Jesus Christus und die Auferstehung glaubt und dann am Grab eines lieben Menschen zu stehen? Christen sollen nicht so denken. Wer an Christus glaubt, darf auch davon ausgehen, dass die bereits gestorbenen Gläubigen auferstehen werden. Und Paulus stellt noch eines klar, nämlich dass die Verstorbenen und die noch Lebenden gleichzeitig die Wiederkunft erleben werden.

„Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrig bleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen“ (1.Thess.4,15)

Wir werden den „Entschlafenen“, also den bereits Gestorbenen nicht zuvorkommen. Es gibt da zeitlich keinen Unterschied. Die „Entschlafenen“ sind nicht früher beim Herrn und die, die die Wiederkunft Jesu Christi als Lebende miterleben, sind auch nicht früher dran.

Alle Gläubigen werden den Herrn Jesus Christus gleichzeitig sehen. Die bereits Gestorbenen, weil sie zu dem Zeitpunkt auferstehen werden. Und die noch Lebenden, weil sie zeitgleich mit den Auferstandenen dem Herrn entgegen entrückt werden (Vers 17).

Wirklicher, realer, echter Trost

Und selbst das ist noch nicht der eigentliche Trost. Das wirklich Tröstende ist dann das, was dann kommt „und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit“ (Vers 17 Schluss). Jeder, der an Jesus Christus glaubt, wird ab dem Zeitpunkt der Auferstehung und Entrückung bei ihm sein – in Ewigkeit. Kann es etwas Schöneres geben? Es gibt dann keinen Zwischenzustand mehr und kein Warten, sondern wir sind dann direkt bei dem Herrn Jesus Christus, der uns so sehr liebt, dass er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist. Was wird das für eine Freude sein! Nein, was IST das für eine Freude! Denn darauf dürfen wir uns heute schon freuen und diese Wahrheit kann uns heute trösten. Wenn wir uns darauf einlassen und uns bewusst machen, wie groß dieses Geschenk ist.

Gerade, wenn wir am Grab eines Menschen stehen, um den wir trauern, dann sollten wir eben nicht nur trauern. Das können wir den Menschen überlassen, die keine Hoffnung haben. Als Christusgläubige haben wir eine Hoffnung auf die Auferstehung und die ewige Gemeinschaft mit Gott. Und das ist der größte Trost, den es angesichts der Grausamkeit und Endgültigkeit des Todes geben kann.

Zeit oder Ewigkeit?

Dazu brauchen wir eine Sicht für die Ewigkeit, wir müssen die Dinge richtig einordnen. Hier in dieser Welt ist nicht unser Platz. Hier in dieser Umgebung können wir uns niemals vollständig wohl fühlen. Paulus hat das zum Ausdruck gebracht, als er im 2.Korintherbrief geschrieben hat „Wir wandeln im Glauben – nicht im Schauen„. Der christliche Glaube ist das wunderbarste Geschenk, das ein Mensch in diesem Leben von Gott bekommen kann. Aber eines Tages werden wir sehen – von Angesicht zu Angesicht. Und dann werden wir ihn sehen „wie er ist“ (1.Johannes 3,2). Wenn wir diesen Gedanken in seiner ganzen Größe begriffen haben, dann können wir nur einstimmen, wenn es in Römer 8,18 heißt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nichts sind im Vergleich zu der Herrlichkeit, die wir dann sehen und erleben dürfen.

Weder Paulus noch die anderen Apostel machen uns irgendetwas vor: Leiden gehört zum Christsein dazu. Wenn eine Fernsehpredigerin davon spricht, das Leben zu genießen und wenn andere behaupten, man müsse nur richtig glauben, dann werde man schon in Wohlstand und Glück leben, dann hat das nichts mit der biblischen Botschaft zu tun.

Christsein und Leid gehören zusammen. Aber wir haben eine Hoffnung, wir haben einen Trost, wir haben eine Zukunft, wir haben das ewige Leben. Und vor allem haben wir den Herrn, in dessen Nähe und Gemeinschaft und in dessen himmlischer Herrlichkeit wir das ewige Leben verbringen dürfen.

Und dieser Herr, der Himmel und Erde geschaffen hat und der alle Dinge in seiner Hand hält, wird eines Tages „wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen“ (1.Thess.4,16). Dann wird alles auf den Kopf gestellt, dann wird alles ans Licht kommen, dann wird Gerechtigkeit auf die Erde kommen und Gott wird über das Böse triumphieren.

Freuen wir uns doch auf diesen Tag!