Licht kommt in die Dunkelheit
Thomas Roser
21. Dezember 2025
Das Licht in der Dunkelheit unserer Herzen
Dieser Artikel basiert auf einer Predigt zum 4.Advent 2025. Vor der Predigt wurde ein Lied gesungen: Gott wird Mensch (Lied von Peter Menger)
Die Not und die Finsternis
Ist das nicht schön, diese Adventszeit? Heute feiern wir ja vierten Advent und diese besondere Zeit im Jahr mit ihren vielen Lichtern, den Lebkuchen und Plätzchen und Geschenke und dann für viele auch Urlaubszeit, Familienzeit, Gemütlichkeit. Alles schön gemütlich.
Doch dieses Lied, das wir gerade gehört haben, sagt ja etwas völlig anderes aus. Dort heißt es: “Er kommt in das Dunkel, kommt in unsere Not, kommt in diese Welt voll Leid und Tod.”
Dabei sind wir doch meistens sehr weit weg von jedem Leid. Und den Tod – den haben wir ja auch so gut es geht ausgeblendet. Stimmt denn das, was der Liederdichter da geschrieben hat? “Er kommt in das Dunkel, kommt in unsere Not, kommt in diese Welt voll Leid und Tod.” Ja, anderswo gibt es das – aber bei uns? Wir genießen unsere warmen Stuben und unser Weihnachtsgebäck und haben warmen Tee.
Doch wir alle wissen, dass unser Wohlstand und unser Friede nur ein kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit ist. Da draußen, da gibt es das Dunkel, die Finsternis und Leid und Not und Tod. Über viertausend Kilometer von uns entfernt, da sind im Sudan 10 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Hälfte davon Kinder. Es gibt eine Hungersnot, von der über 20 Millionen Menschen im Sudan betroffen sind und es gibt kaum medizinische Versorgung. Die Menschen sterben. Also singen wir zu recht: “Er kommt in das Dunkel, kommt in unsere Not, kommt in diese Welt voll Leid und Tod.”
Aber das Dunkel, die Not, das Leid und der Tod sind gar nicht so weit weg. Nein, ich meine nicht die Ukraine, wo nur 2000 km von uns entfernt ein Krieg tobt. Nein, ich meine eine Finsternis, die viel viel stärker ist und die viel viel näher ist. Ich meine auch nicht die Krankenhäuser und die Obdachlosen und die Einsamen in unserer Stadt, wo auch viel Finsternis und Leid ist.
Ich meine eine Finsternis, die noch viel näher ist. Die Finsternis, die Dunkelheit in den Herzen von uns Menschen. Mit aller unserer Gottlosigkeit und unserer Ungerechtigkeit haben wir Menschen ein Reich der Dunkelheit errichtet. Ein Königreich der Dunkelheit und der Finsternis haben wir da geschaffen und es ist eine schreckliche Finsternis, die Ehen zerrüttet und Familien zerstört und Kriege verursacht. Eine Finsternis, die in uns wohnt und die immerzu das Böse sucht und die unsere Herzen durch und durch verfinstert und vergiftet hat. Eine Finsternis in den Herzen, die keine Gnade kennt, keine Barmherzigkeit, keine Vergebung und keine Liebe.
Diese Finsternis in unseren Herzen ist der eigentliche Grund für Weihnachten. Diese Finsternis ist so schrecklich und so endgültig, so zerstörerisch und tödlich, so unheilbar und unüberwindbar böse, dass es wirklich ein wahres Wunder brauchte. Ein Wunder der Liebe. “Gott wird Mensch, kommt uns ganz nah. Durch dieses Wunder der Liebe wird das Unmögliche wahr – Gott wird Mensch, kommt als ein Kind – Seht dieses Wunder der Liebe, das in der Krippe beginnt.”
Jesus Christus
Lasst uns auf die Krippe blicken. Ja, es war ein Wunder der Liebe, dass Gott Mensch geworden ist. Es war ein Wunder der Liebe, dass das Licht in unsere selbstgewählte und selbstgemachte Finsternis gekommen ist. Denn Gott ist Mensch geworden und hat uns das Licht gebracht. Wir schauen uns nun im Johannesevangelium an, ob der Liederdichter Recht hatte:
[Johannes 1,1-14 (Jantzen 2022)]
1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Das war im Anfang bei Gott. 3 Alles wurde durch es, und ohne es wurde auch nicht eines, das geworden ist. 4 In ihm war [das] Leben. Und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit überwand es nicht. 6 Es trat ein Mensch auf, von Gott gesandt. Der hieß Johannes. 7 Dieser kam zum Zeugnis, um von dem Licht Zeugnis zu geben, damit alle durch ihn glaubten. 8 Er selbst war nicht das Licht, sondern er sollte von dem Licht Zeugnis geben. 9 Es war das Licht, das wahre, das jedem Menschen leuchtet, in die Welt kommend. 10 Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. 11 Er kam in das Eigene, und die Eigenen nahmen ihn nicht auf. 12 So viele ihn aber annahmen, denen gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus Geblüt noch aus Willen des Fleisches noch aus Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren wurden. 14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater her, voll Gnade und Wahrheit.
In diesem kurzen Text wird es genau beschrieben, wie das Licht in unsere Finsternis kam. Oder in unsere Dunkelheit, wie es in dieser Übersetzung heißt. In Vers 14 wird dann angedeutet, um wen es geht.
[Johannes 1,14-18 (Jantzen 2022)]
14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater her, voll Gnade und Wahrheit. 15 Johannes legt Zeugnis von ihm ab. Und er hat ‹laut› gerufen und gesagt: „Dieser war es, von dem ich sagte: Der, der nach mir kommt, ist mir voraus geworden, weil er eher war als ich." 16 Und aus seiner Fülle empfingen wir alle, und [zwar] Gnade über Gnade; 17 denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit wurden durch Jesus Christus. 18 Niemand hat Gott je gesehen. Der einziggeborene Sohn, der zur Brust des Vaters [gewandt] ist, der gab [über ihn] Aufschluss.
Nun ist es völlig klar, wer gemeint ist: Es ist Jesus Christus und er wird hier auch als der einziggeborene Sohn bezeichnet. Ausgehend von dem Lied, das wir gehört haben, wollen wir den Fokus darauf legen, warum und wozu Jesus Christus in unsere selbstgewählte und selbst erschaffene Finsternis gekommen ist und was das für uns bedeutet.
Die Offenbarung Gottes in seinem Sohn
Wir schauen uns noch einmal die Verse 14 und 18 an: Vers 14 “Und das Wort wurde Fleisch” beschreibt die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Gottes Sohn, also Gott selbst, hat seine göttliche Gestalt aufgegeben und wurde Mensch wie wir. Der Schöpfer des Universums, der alle Dinge in seiner göttlichen Hand hält und der alles regiert – er, der alle Dinge durch sein Wort geschaffen hat und durch sein Wort erhält – er wurde Fleisch, wurde Mensch – ein Mensch wie wir. Er trat auch nicht als ein mächtiger König auf, sondern als ein hilfloses Kind kam er in diese Welt. Oder wie wir gerade im Lied gehört haben: “Gott wird Mensch, kommt uns ganz nah”.
Gott kam zu uns, weil wir nicht zu ihm kommen konnten. Unsere Schuld trennte uns von ihm – also kam er uns in Jesus ganz nahe. Er steigt zu uns herab, wird Mensch, kommt uns ganz nah, um uns in unserer Gottesferne zu begegnen.
Es gibt noch einen anderen Grund, warum Gott Mensch werden musste. Am Ende von Vers 18 steht “der gab über ihn Aufschluss” oder wie es in einer anderen Übersetzung heißt “er hat ihn uns bekannt gemacht”. Wir wüssten nichts über Gott, wenn Gott es uns nicht zeigen würde. Wir könnten nichts von Gott erkennen und verstehen, wenn er es uns nicht zeigen würde. Nur durch unseren Verstand allein und unsere Überlegungen allein könnten wir den unsichtbaren Gott nicht erkennen. Er selbst muss sich zeigen, er muss sich offenbaren, sonst können wir nichts von ihm wissen. Und er hat sich bereits vor Jesus offenbart, aber das führte nicht automatisch zu unserem Heil.
Dazu lesen wir drei Verse aus Römer 1, wo dreimal offenbaren vorkommt.
[Römer 1,18-20 (Schlachter 2000)]
18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, 19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; 20 denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, sodass sie keine Entschuldigung haben.
Hier haben wir wieder den gleichen Gedanken: Gott ist unsichtbar, aber er hat sich offenbart. Hier in Römer 1 steht, er hat sich in der Schöpfung offenbart und jeder Mensch kann nun, weil Gott sich in der Schöpfung offenbart hat, durch einfaches Nachdenken erkennen, dass es einen allmächtigen und heiligen Gott gibt.
Nun gibt es aber einen gewaltigen Unterschied zwischen Römer 1 und Johannes 1. In beiden Stellen geht es darum, dass Gott sich offenbart. Er zeigt sich. In beiden Stellen geht es darum, dass Gott sich zu erkennen gibt. Römer 1 sagt Gott zeigt sich in der Schöpfung: Seine Macht und seine Größe sind in der Schöpfung sichtbar. Doch die Menschen ignorieren ihn. Römer 1 nennt uns auch die Folge: Weil die Menschen Gott ablehnen, offenbart sich sein Zorn – über alles, was gottlos und ungerecht ist.
Gott offenbart sich in Gnade und Wahrheit
Kapitel 1 des Johannesevangeliums beschreibt uns ebenfalls eine Offenbarung Gottes. Aber eine ganz andere Offenbarung als in Römer 1. Er offenbart sich hier nicht nur in der Schöpfung, sondern in seinem Sohn Jesus Christus. In Römer 1 zeigt er seine Macht, Größe und Heiligkeit in der Schöpfung. In Johannes 1 liegt der Fokus aber auf etwas ganz anderem: Gott zeigt sich, er offenbart sich, er gibt sich zu erkennen, aber er tut das in Gnade und Wahrheit. Das bezeugen uns die Verse 14, 16 und 17.
[Johannes 1,14-17 (Jantzen 2022)]
14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater her, voll Gnade und Wahrheit. ... 16 Und aus seiner Fülle empfingen wir alle, und [zwar] Gnade über Gnade; 17 denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit wurden durch Jesus Christus.
Ich bin froh, dass hier GNADE und WAHRHEIT zusammen stehen. Denn das ist wichtig, dass Wahrheit Wahrheit bleibt. Der heilige Gott wird niemals JA sagen zu unserer verlogenen Lebensweise, zu unseren sündigen Gedankengebäuden und zu unseren ungerechten Worten und Taten. Wahrheit bleibt Wahrheit und die Wahrheit von Römer 1 gilt auch nach wie vor und sie steht unverrückbar fest: Gottes Zorn über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen. Diese Wahrheit bleibt bestehen und sie ist unverrückbar. Aber ebenso gilt: Jesus Christus hat uns GNADE und Wahrheit gebracht. In Jesus Christus sehen wir die ganze Retterliebe Gottes und die liebevolle Freundlichkeit des himmlischen Vaters. Wir sehen sein barmherziges Herz und wir sind verwundert über die herrliche Gnade, die wir in Jesus Christus erfahren können.
Staunend stehen wir vor dem größtmöglichen Gegensatz: Auf der einen Seite wir Menschen. Voller Sünde, die wir in unseren finsteren Herzen aushecken. Auf der anderen Seite der wunderbare Heiland-Gott, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, in das wir niemals kommen könnten. Aber dieser Heiland-Gott verlässt aufgrund seiner großen Liebe dieses unzugängliche Licht und kommt als das Licht in unsere finstere Welt.
Das Licht kommt in die Finsternis
Wir feiern vierten Advent und in Kürze Weihnachten und dabei geht es um das Licht, das in diese Welt gekommen ist. Gott wurde Mensch und er hat das Licht in unsere Dunkelheit gebracht.
[Johannes 1,4-9 (Jantzen 2022)]
4 In ihm war [das] Leben. Und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit überwand es nicht. ... 9 Es war das Licht, das wahre, das jedem Menschen leuchtet, in die Welt kommend.
Das Wunder der Liebe, das in der Krippe beginnt, ist dieses Licht, das in der Dunkelheit scheint. Die Hirten auf dem Feld waren die ersten, die es gesehen haben, denn die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie durften als Erste dieses herrliche Licht sehen, das der Sohn Gottes in die Welt gebracht hat. Aber Sie waren nur die Ersten, nicht die Einzigen.
Jedem Menschen leuchtet dieses Licht – ohne Ausnahme. Jeder Mensch ist Sünder und verloren und zur Verdammnis bestimmt – ohne Ausnahme. Das sagt Römer 1. Aber jedem Menschen leuchtet dieses Licht und jeder Mensch kann heraus gerettet werden aus der Finsternis. Das alles ist nur möglich, weil Jesus Christus, der Sohn Gottes, Mensch wurde in diese Welt kam und für uns gestorben ist. Gott wurde Mensch. Er lebte vollkommen gerecht ohne jede Sünde und er hat sich ans Kreuz schlagen und töten lassen.
Wie reagierst Du auf dieses Wunder der Liebe?
Weiterlesen: Teil 2 - Vom Reich der Finsternis zur Zukunftshoffnung