Biblisch denken • Teil 1 von 3
Die Ausgangslage - unser kaputtes Denken
Thomas Roser
4. April 2026
Wenn wir uns mit der biblischen Sicht des Denkens befassen wollen, dann müssen wir bei der trostlosen Ausgangslage beginnen, in der wir Menschen uns alle befinden.
Wir alle kennen die Geschichte von Kain und Abel. Wenn wir an Kain denken, sehen wir einen Mann, der seine Wut pflegt. Er pflegt seinen Zorn wie ein Raubtier, das er als Jungtier ins Haus holte – bis es groß genug ist, ihn zu beherrschen. Wir schütteln vielleicht den Kopf über Kain, aber wir müssen ehrlich sein: Paulus sagt uns in Kolosser 1, dass wir alle im selben Boot saßen. Bevor Christus uns fand und erlöst hat, waren du und ich ‘entfremdet’ – wie Fremdkörper, wie Aliens, die nicht zu Gottes Welt gehören wollten.
Vom kaputten Denken
Wir beginnen heute mit Vers 21. Dieser Vers klingt nicht sehr schön, denn er erinnert uns an unsere sündige Vergangenheit.
Kolosser 1,21
Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken(Übersetzung: Elberfelder)
Wir waren also Feinde nach der Gesinnung. Das ist nun keine ganz einfache Formulierung. Wir waren Feinde nach der Gesinnung in den bösen Werken - was soll denn das heißen? Ich lese uns diesen Vers mal in der Übersetzung von Helmut Jantzen, weil es da etwas deutlicher wird:
Kolosser 1,21
Und euch, die ihr einst entfremdet wart und Feinde in der Grundeinstellung eures Denkens, in den bösen Werken,(Übersetzung: BidF)
Wir waren also entfremdet und Feinde in der Grundeinstellung unseres Denkens. Ich möchte nun auf vier Punkte daraus eingehen.
- Entfremdung
- Feindschaft
- Die Grundeinstellung unseres Denkens
- Die bösen Werke
(1) Entfremdung
“euch, die ihr einst entfremdet wart” - was genau bedeutet denn das? Eine Untersuchung des griechischen Urtexts zeigt, da ist einer, der gehört nicht dazu. Der ist Außenseiter und zwar mit einer sehr negativen Bedeutung. Während ‘Ausländer’ oder ‘Fremder’ wertneutrale Begriffe sein können, ist ‘Außenseiter’ im biblischen Kontext aktiv negativ besetzt. Ein Außenseiter steht außen, weil er sich selbst dorthin manövriert hat. Er ist entfremdet, weil er sich aus eigener Schuld zu einem Fremden gemacht hat. Damit bekommt die Formulierung in Kolosser 1,21 “euch, die ihr einst entfremdet wart” ein ganz anderes Gewicht. Wir waren nicht durch einen unglücklichen Zufall fern von Gott. Wir waren Gott fremd geworden, wir waren getrennt von ihm durch unsere eigene Schuld.
In den englischen Bibelübersetzungen steckt an dieser Stelle ein sehr starkes Wort drin: alienated. Alien ist mittlerweile ein Wort, das fast schon in Deutschland eingebürgert ist. Viele verstehen es, weil sie bei Alien an Außerirdische denken. So fremde Wesen, dass sie noch nicht einmal zum selben Planeten gehören. Das Bild vom völlig bösartig und feindlich gesinnten Alien kennt man von vielen Filmen. Genau das ist in Vers 21 gemeint, völlig fremd - durch eigene Schuld und völlig feindselig - aus eigenem Antrieb. Denn da steht ja eben nicht nur „entfremdet”, sondern „Feinde”.
(2) Feindschaft
Kolosser 1,21
Und euch, die ihr einst entfremdet wart und Feinde in der Grundeinstellung eures Denkens, in den bösen Werken,(Übersetzung: BidF)
Als wir uns durch unser sündiges Verhalten von Gott entfernt und entfremdet haben, da sind wir auch seine Feinde geworden. Als Gottlose waren wir nicht einfach nur ohne Gott, sondern wir waren gegen Gott. Wir haben uns auf die Seite des Feindes geschlagen, der seit dem Sündenfall gegen Gott kämpft. Feinde Gottes - das ist unsere Bezeichnung als Menschen, solange wir nicht Kinder Gottes sind. Dieser Gedanke räumt komplett auf mit dem humanistischen Ideal des guten Menschen. Nein, es gibt keinen guten Menschen. Das wissen wir natürlich, aber mit dem Wort „Feindschaft” wird uns das sehr deutlich vor Augen gestellt. Das ist kein Desinteresse an Gott, das ist auch nicht nur Entfremdung - und die wäre ja schon schlimm genug. Bei Feindschaft kann kein Zweifel bestehen, wie das Ende aussehen wird, denn allen ist doch irgendwie klar, dass Gott seine Feinde vernichten wird. Paulus hört aber nicht auf, sondern treibt es auf die Spitze und zeigt uns auch, wie tief und endgültig und wie fest eingebrannt diese Entfremdung und diese Feindschaft war.
(3) Die Grundeinstellung unseres Denkens
Kolosser 1,21
Und euch, die ihr einst entfremdet wart und Feinde in der Grundeinstellung eures Denkens, in den bösen Werken,(Übersetzung: BidF)
Die anderen Übersetzungen haben hier “nach der Gesinnung” oder “gesinnt” und sie meinen das Gleiche, aber ich findet, in dieser Übersetzung wird noch sehr viel deutlicher, wie schlimm die Sache wirklich ist: Unser Denken war so tief verdorben, dass unsere Grundeinstellung auf Feindschaft gegen Gott programmiert war. Da wurde es dauerhaft finster in unseren Gedanken. Ganz so, als würde jemand den Lichtschalter drücken und es wird plötzlich dunkel. Nun können wir das Licht einfach wieder anschalten, aber bei der feindlichen Grundeinstellung des Denkens ist das anders. Da ist der Strom abgestellt, die Sicherung herausgedreht, die Lampen zerschlagen und die Kabel wurden abgeschnitten. Da geht nichts mehr.
Und das ist ein wichtiger Punkt, der hier angesprochen wird. Es ist leider auch ein Punkt, der oft übersehen wird und über den nicht so oft gepredigt wird. Es ist für uns aber wichtig, genau Bescheid zu wissen: Denn es geht um unser Denken und genauer, es geht um die Art und Weise, wie wir denken. Der Apostel beschreibt, dass durch unsere Entfremdung und Feindschaft eine Weiche falsche gestellt wurde. Vor dem Sündenfall war der Mensch gut, denn Gott hatte ihn gemacht und alles war sehr gut. Beim Sündenfall wurde der Schalter umgelegt, die Weiche umgestellt und nun war wir auf dem falschen Gleis unterwegs - die Grundeinstellung war Sünde, Feindschaft, Hass, Rebellion, Lüge. In dieser Abkehr war unser Denken zwangsläufig auf das Sündige ausgerichtet.
Warum ist es so wichtig, das zu verstehen? Ich meine, es gibt zwei Gründe, warum wir diese tiefe geistliche Wahrheit verstehen müssen.
Einmal müssen wir es verstehen, um die Menschen um uns herum und ihre Handlungen zu begreifen. Denn wenn wir begreifen, wie tiefgreifend das falsche Denken in ihnen verankert ist, dann werden wir völlig frei von der Idee, wir könnten da irgendetwas ausrichten. Mit allen Worten, Liedern, Traktaten und Büchern dieser Welt können wir da gar nichts machen. Wenn ein Mensch gerettet werden soll, dann muss er das Wort des Evangeliums hören. Aber nur, wenn Gottes Geist wirkt, kann der Mensch gerettet werden und seine Grundeinstellung kann geändert werden.
Zum anderen müssen wir diese Sache verstehen, damit wir unser Leben als Gläubige richtig leben können. An keinem einzigen Punkt dürfen wir uns an der alten Grundeinstellung unseres Denkens orientieren. Wir müssen uns hier immer wieder gegenseitig ermahnen, dass wir auf keinen Fall so denken dürfen wie vor unserer Umkehr. Wir müssen sehr darauf achten, dass sich dieses Denken der Feindschaft nicht wieder in unser Denken einschleicht. Wir betrachten später ein paar praktische Schritte dazu.
(4) die bösen Werke
Das Denken prägt die Tat. Das Denken führt zu Werken. Das böse Denken führt zu bösen Werken. Das ist ein Grundprinzip und unser Herr Jesus Christus hat sehr deutliche Worte dafür gefunden:
Markus 7,20–23
21 Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht, Mord,
22 Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.
23 All dieses Böse kommt von innen heraus und verunreinigt den Menschen.(Übersetzung: Schlachter 2000)
von innen, aus dem Herzen - es geht hier genau um diese Grundeinstellung der Denkens, die Gott entfremdet ist und die feindlich gegen Gott ist und die deswegen unausweichlich zur Sünde führt. Die bösen Werke, die kommen ganz von selbst, wenn das Denken kaputt ist. Wenn die Grundeinstellung unseres Denkens nicht in Ordnung ist, dann fallen wir immer tiefer hinein in unsere Sünde. Das gilt für alle Menschen. Alle Menschen sind in ihrem Denken kaputt. Die Grundeinstellung ihres Denkens, das was die Heilige Schrift als HERZ bezeichnet, das ist kaputt und verdorben und deshalb kann auch nur Kaputtheit und Verderben rauskommen.