Auf Jesus schauen!
Thomas Roser
3. Januar 2026
Wie gehen wir mit Schwierigkeiten und Problemen richtig um? Unsere alltäglichen Probleme sind real. Man kann sie nicht einfach wegdiskutieren oder ignorieren. Sie sind ständig präsent und erfordern unsere Aufmerksamkeit. Schwierigkeiten und Schwächen, Probleme, Anfechtungen und scheinbar unüberwindliche Hindernisse hindern uns täglich daran, das zu tun, was wir tun sollen (und wollen).
Wie geht man richtig damit um? Sind wir als Christen denn genauso hoffnungslos allen Schwierigkeiten ausgesetzt wie andere Menschen? Was könnten wir tun, um besser mit den Schwierigkeiten umzugehen?
[Hebräer 12,1-2 - Übersetzung: NeueLuther]
1 Darum lasst auch uns, weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde ablegen, die uns immer umringt, und lasst uns mit Geduld in dem Kampf laufen, der uns verordnet ist, 2 und aufsehen auf Jesus, den Urheber und Vollender des Glaubens; der um der Freude willen, die vor ihm lag, das Kreuz erduldete und die Schande nicht achtete und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.
Dies ist ein kraftvoller Text. Es ist einer meiner Lieblingstexte aus der Bibel. In dieser Auslegung geht es mir aber nur um ein kleines Wort am Anfang von Vers 2. Man übersieht es leicht, und doch trägt es eine gewaltige Bedeutung: „aufsehen„. In anderen Bibelübersetzungen heißt es “hinschauen”. Leider haben fast alle deutschen Bibelübersetzungen an dieser Stelle eine kleine Schwäche. Das liegt nicht an mangelhaften Übersetzungen (denn wir sind mit sehr guten deutschen Bibelübersetzungen gesegnet), sondern daran, dass das griechische Wort im Urtext kaum angemessen ins Deutsche übertragbar ist. Das griechische Wort an dieser Stelle heißt „ἀφορῶντες” (aphorontes). In der Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel heißt es dazu: „865 aphorao wegsehen von etw., um auf etw. anderes zu sehen, hinschauen auf etw. (darauf)sehen; von apo (weg von) und horao (sehen)…”. Das Wort müsste eigentlich mit „weg-hin-schauen” übersetzt werden. In der Übersetzung Jantzen 2022 wird es mit hinwegschauen übersetzt. Das ist schon sehr gut, mir gefällt aber die Reihenfolge weg und dann hin besser. Es geht nämlich darum, dass wir zuerst WEGsehen von unseren Problemen, Schwierigkeiten, Schwächen und dann HINsehen auf Jesus. Wir können es auch drehen und wenden, wie wir wollen: Immer gehören diese beiden Dinge zusammen: WEGsehen und HINsehen. Und wir kennen das aus unserem Alltag: Wenn wir uns konzentriert etwas zuwenden, dann müssen wir uns ja zuerst von den anderen Dingen abwenden. Wenn wir uns gedanklich auf etwas vollständig konzentrieren wollen, müssen wir in diesem Moment alles andere „vergessen” und beiseite schieben. Denn wenn wir wirklich konzentriert auf etwas schauen, dann blenden wir die anderen Dinge aus dem Sichtfeld ja aus – und so wollen wir das auch im Glauben tun: Nicht um die Realität zu verdrängen, sondern gerade um die wahre Realität zu erkennen: die Herrlichkeit und Macht Gottes, die sich in Jesus Christus gezeigt hat.
Dies mag in den Augen des modernen Menschen zunächst bedenklich klingen: Die Probleme „ausblenden” und die Schwierigkeiten „ignorieren”? Das ist nicht gemeint und wäre natürlich eine ziemlich unvernünftige und plumpe Art von „Glauben”. Es wird auch nicht von uns erwartet, unseren Verstand auszuschalten, wenn wir glauben. Gott will unsere Intelligenz nicht beleidigen, sondern er will uns einen vernünftigen Glauben schenken. In Markus 7,21-22 nennt Jesus die „Unvernunft” in einem Atemzug mit anderen bösen Dingen wie Mord und Ehebruch. Die Vernunft hat in der Bibel also einen hohen Stellenwert und Unvernunft wird klar als Sünde benannt. Es kann nun wirklich nicht darum gehen, Probleme und Schwierigkeiten mit einer Art „positives Denken” zu überlagern. Manche Menschen vertreten die Ansicht, dass alle Probleme verschwinden, wenn man nur positiv denkt. Auch in der christlichen Welt gibt es leider dieses unvernünftige Denken, es wird dort nur fromm getarnt: „Du musst nur genug glauben, dann wird Gott Dir alles Gute schenken”.
Wie also ist das gemeint „weg-hin-schauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens„? Der Schreiber des Hebräerbriefes nennt uns in Kapitel 11 einige Beispiele für Vorbilder des Glaubens. In Hebräer 12,1 fängt er dann seine Aussage an mit „Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben„. Er zeigt uns also praktische Beispiele für das, was er uns dann mitteilt. Im Folgenden möchte ich anhand einiger Beispiele verdeutlichen, was mit „weg-hin-schauen” gemeint ist.
Beispiel 1: Isaak
[Hebräer 11,20 - Übersetzung: Schlachter 2000]
Durch Glauben segnete Isaak den Jakob und den Esau im Hinblick auf zukünftige Dinge.
Isaak tut etwas und er tut das nicht, indem er auf die Situation um sich herum schaut und diese genauestens analysiert, sondern er tut das „im Hinblick auf zukünftige Dinge„. Er richtet seine Entscheidungen also nicht nur nach den Dingen aus, die passiert sind oder gerade passieren, sondern er blickt auf die Dinge, die kommen werden und handelt entsprechend. Dies wirft die unvermeidliche Frage auf: Woher konnte er wissen, was die Zukunft bringen würde? Die Antwort auf diese Frage finden wir ein paar Verse vorher, bei seiner Mutter Sarah.
Beispiel 2: Sarah
[Hebräer 11,11 - Übersetzung: Schlachter 2000]
Durch Glauben erhielt auch Sarah selbst die Kraft, schwanger zu werden, und sie gebar, obwohl sie über das geeignete Alter hinaus war, weil sie den für treu achtete, der es verheißen hatte.
Nun muss man dazu wissen, dass Sarah das gebärfähige Alter schon lange überschritten hatte. Immerhin war sie schon 90 Jahre alt, als ihr verkündet wurde, dass sie schwanger werden würde (1.Mose 17,17). Sie wollte es anfangs auch nicht glauben (1.Mose 18,13-15). Doch hier im Hebräerbrief wird bezeugt, dass sie schließlich doch geglaubt hat. Ihre persönlichen Umstände konnten ihr keine Hoffnung machen, doch sie „achtete den für treu, der es verheißen hat„. Sie blickte auf den HERRN, ihren Gott und wusste, dass „bei ihm kein Ding unmöglich ist” (Lukas 1,37).
Wer hat das letzte Wort?
Genau dies meint das „weg-hin-schauen auf Jesus”: Wir können und sollen die Umstände und die Schwierigkeiten nicht ignorieren. Wir dürfen nicht mit Unvernunft alle Probleme ignorieren. Aber wir sollten auch nicht so tun, als hätten die Umstände und Schwierigkeiten das letzte Wort. Jesus Christus hat das letzte Wort. ER allein entscheidet, was geschieht. Selbst wenn scheinbar alles um uns herum zusammenbricht, dürfen wir an der Tatsache festhalten, dass er sich um seine Kinder kümmert (Römer 8,28). Wenn auch alles um uns herum „den Bach runtergeht” und wir immer genügend Grund zur Verzweiflung hätten, dann sollen wir doch wegsehen von den Dingen, die uns bedrücken und hinsehen auf diesen Jesus. Nichts und niemand kann uns aus seiner Hand reißen (Römer 8,38-39). Jesus Christus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens. Er will unseren Glauben auferbauen und uns Leben im Überfluss schenken (Johannes 10,10). Kann Jesus das überhaupt? Die Frage mag lächerlich klingen, aber ich möchte auch den letzten Zweifel daran ausräumen. Natürlich kann er das!. Er hat Blinde geheilt, Lahme geheilt, er hat Taubstumme geheilt. Er hat einmal 4000 und einmal 5000 Menschen mit Nahrung versorgt, obwohl kaum etwas vorhanden war. Aber ein anderes Wunder, das er getan hat, ist das größte von allen: Er selbst ist von den Toten auferstanden. Wir feiern an Ostern seine Auferstehung. Dieses Wunder der Auferstehung zeigt, dass er sogar Macht über den Tod hat. Einige Zeit vor seiner Kreuzigung und Auferstehung vollbrachte er ein weiteres Wunder und formulierte dabei deutlich, wie groß seine Macht ist. Als er seinen Freund Lazarus von den Toten auferweckte, sagte er dessen Schwester:
[Johannes 11,25-26 - Übersetzung: Schlachter 2000]
Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?
Damit ist zweifelsfrei bewiesen, dass Jesus Christus alles tun kann. Wer Tote auferwecken kann und selbst vom Tod aufersteht, dem ist alles möglich. Wer auf Jesus Christus schaut und die Allmacht des lebendigen Gottes in die Rechnung einbezieht, der ist vernünftig. Die einzige Frage, die sich nun noch stellt, ist genau jene, die Jesus der Schwester des Lazarus gestellt hat: „Glaubst du das?”