1 Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi, an die, welche den gleichen kostbaren Glauben wie wir empfangen haben an die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus:
2 Gnade und Friede werde euch mehr und mehr zuteil in der Erkenntnis Gottes und unseres Herrn Jesus!
3 Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und [zum Wandel in] Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch [seine] Herrlichkeit und Tugend,
4 durch welche er uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch dieselben göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht,
5 so setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis,
6 in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht,
7 in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe.
(2.Petrus 1,1-7 Schlachter 2000)

Mit diesem Abschnitt beginnt der zweite und letzte Brief des Apostels Petrus. Er weiß das auch. In den Versen 2.Petrus 1,13-15 wird deutlich, dass ihm sein nahes Lebensende klar vor Augen steht. Was würden Sie schreiben, wenn Sie noch einen letzten Brief an die geliebten Menschen schreiben könnten? Was würden Sie der Nachwelt unbedingt hinterlassen wollen?
Nun, Petrus hat sich klar entschieden: Dieser Brief ist ein Brief der Warnung vor den Irrlehrern, den Verführern. Er möchte zum Abschluss noch einmal die Gemeinde ermahnen, sich zu schützen vor den Angriffen des Teufels, die durch falsche Lehre kommen.
Aber (und das ist ein großes ABER) das ist für ihn nicht die Hauptsache. Denn in diesem ganzen ersten Kapitel, in dem er auch über sein nahes Lebensende schreibt, da geht es nicht um Irrlehrer, sondern um den Herrn Jesus Christus. Das sollte uns bewusst sein, wenn wir diesen Brief lesen.
Im Mittelpunkt von Petrus' Denken und Reden stehen nicht die falschen Lehren, sondern Christus und dass, was wir von Christus bekommen: "Gnade und Friede" (Vers 1) "göttliche Kraft" (Vers 2) und "überaus große und kostbare Verheißungen" (Vers 3)

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Der Glaube an die Gerechtigkeit…

Die drei Punkte hinter der Überschrift deuten schon an, dass hier noch etwas kommen muss. Denn nur "Glaube an die Gerechtigkeit" wäre zu wenig. Was für eine Gerechtigkeit soll das sein? An eine menschliche Gerechtigkeit kann doch keiner mehr glauben, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Wenn sogar eine demokratische gewählte Regierung in einem Rechtsstaat das Recht außer Acht lässt und das Gesetz bricht und Verträge ignoriert, wie können wir dann noch an irgendeine irdische, menschliche Gerechtigkeit glauben?
Wenn wir sehen, wie hemmungslos unsere Mitbürger Steuern hinterziehen und den Ehepartner betrügen, wenn wir sehen, wie die Medien eine zweite virtuelle Wirklichkeit aufbauen, die nur noch von Lügen zusammengehalten wird, wie können wir dann noch an eine irdische, menschliche Gerechtigkeit glauben?
Nein, das kann es nicht sein!
Und Petrus schreibt auch, dass es nicht "der Glaube an die Gerechtigkeit" ist, der die Christen eint. Sondern es geht um den "Glauben an die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus" (Vers 1). Nur in diesem Glauben an Gottes Gerechtigkeit finden wir Trost und Erlösung. Denn weil er, der Gerechte für uns Ungerechte gestorben ist, können wir leben (1.Petrus 3,18).

Mehr und mehr Gnade und Friede

Mehr Gnade und mehr Friede. Wer wünscht sich das nicht? Petrus zeigt uns in Vers 2 auch den Weg dahin: "in der Erkenntnis Gottes und unseres Herrn Jesus". Wollen Sie mehr Gnade und mehr Friede? Dann müssen Sie in der Erkenntnis Gottes und in der Erkenntnis des Herrn Jesus wachsen. Das ist alles. So einfach, kurz und prägnant.
Aber es geht ja weiter: In Vers 3 ist schon wieder von Erkenntnis die Rede. Und hier ist nun wichtig, das ganze Bild zu sehen. Vers 3-7 gehören zusammen. Das ist ein Satz, ein Gedanke, eine zusammenhängende Wahrheit und Vers 3 und 4 bilden die Basis, den Ausgangspunkt dieses Gebildes: Am Anfang steht die Erkenntnis: Natürlich auch die Erkenntnis unserer Sündhaftigkeit und unsere Buße, aber vor allem die Erkenntnis des Herrn Jesus. Wenn uns seine Herrlichkeit und seine Gerechtigkeit und seine Tugend immer stärker bewusst werden, dann ist das ein starkes Fundament, auf dem wir unser Leben aufbauen können. Und alles, was wir zu einem gerechten, heiligen, gottesfürchtigen Leben benötigen, das ist uns alles bereits von Gott geschenkt. Von dieser Grundlage müssen wir ausgehen. Das muss unser gedankliches Fundament sein: Gott hat uns durch seinen Sohn Jesus Christus bereits alles geschenkt, was wir brauchen. Das sollen wir erkennen. Das ist die Erkenntnis, von der Petrus spricht.

"Jetzt aber los!"

Paulus formuliert es etwas eleganter als "Jetzt aber los!" Er schreibt in Vers 5 "So setzt eben deshalb allen Eifer daran" und ruft uns damit zum vollen Einsatz auf. Er will, dass wir uns voll reinhängen und uns anstrengen. Aber - und das ist sehr wichtig - es steht da auch "eben deshalb". Unser ganzer Einsatz, unser Eifer, unsere Mühe, das alles basiert auf der Grundlage, dass Gott uns durch Jesus Christus bereits alles geschenkt hat, was wir brauchen. Niemand, weder Petrus noch Jesus erwarten, dass wir uns anstrengen aus eigener Kraft. Das wäre unsinnig, denn es steht in Vers 3:

"Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und [zum Wandel in] Gottesfurcht dient, " (2.Petrus 1,3 Schlachter 2000)

 

Im Glauben: 1.Tugend, 2.Erkenntnis, 3.Selbstbeherrschung, 4.Ausharren, 5.Gottesfurcht, 6.Bruderliebe, 7.Liebe

Nun kommt eine lange Aufzählung und man kann das auf verschiedene Weise verstehen. Man kann sich das so vorstellen, dass wir das alles gleichzeitig tun sollen. Das ist richtig und auch so gemeint. Natürlich sollen wir schon am Anfang unseres Glaubenslebens auch Liebe gegenüber allen Menschen üben und wir sollen uns zu jeder Zeit selbst beherrschen.
Doch man kann es auch als zeitliche Reihenfolge verstehen, als eine Kette von Dingen, die man nach und nach immer besser beherrscht. Und ich denke, so ist es auch von Petrus gemeint, denn die Formulierung "in der …..aber die …." deutet meiner Ansicht nach auf eine Aufwärtsentwicklung. Wir sind ja nicht im Moment unserer Bekehrung schon fertig, so wie wir sein sollen, sondern wir sollen uns entwickeln. Darauf deutet auch das Bild der "Frucht" hin, das Paulus in Galater 5,22-23 verwendet. Er zeigt uns dort die Auswirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben, denkt aber nicht daran, dass es bei der Bekehrung "PLOPP" macht und dann ist alles da. Denn eine Frucht wächst langsam. Man braucht lange, bis man sie erkennt und man braucht lange, bis man erkennt, was es für eine Frucht ist. So ist es auch hier im zweiten Petrusbrief: Ja, natürlich sollen wir von Anfang an Gottes Liebe in vollem Umfang an alle Menschen weitergeben. Aber so realistisch müssen wir auch sein, zuzugeben, wo uns das noch nicht gelingt und dass wir da besser werden wollen.

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Wir dürfen uns also nicht verrückt machen lassen, wenn wir wieder einmal versagen. Dann dürfen wir jederzeit zurückkommen zum Herrn Jesus und ihn um Vergebung bitten (1.Johannes 1,9). Aber wir sollen "allen Eifer" daran setzen (2.Petrus 1,5) um diese Dinge in unserem Leben wachsen zu lassen. Was will Petrus also von uns: Vollen Einsatz und maximale Hingabe - aber auch den langen Atem, durchzuhalten und zu wachsen.
Wir sind dabei nicht auf uns gestellt und sind nicht allein gelassen:

"Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und [zum Wandel in] Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch [seine] Herrlichkeit und Tugend, durch welche er uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch dieselben göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht,"
(2.Petrus 1,3-4 Schlachter 2000)